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„Vorkurs: Vom Bauhaus zum Silicon Valley“

Das Bauhaus strebte nach einer Synthese der verschiedenen Wissensformen, bei der technisches, naturwissenschaftliches, emotionales oder kreatives Wissen zusammengeführt wird. Verbunden mit diesem Wissenskonzept war eine neue Pädagogik, die den Menschen frei machen und sein Potenzial fördern sollte, um so zur Schaffung eines „Neuen Menschen“ beizutragen. Welche Orte ermöglichen Kreativität und Innovation? Welche Wissensstätten braucht die heutige Gesellschaft? Repräsentieren moderne Computer-, Internet- und Medienfirmen das Bauhaus des 21. Jahrhunderts?

Wissenstechnologien

Das Bauhaus befasste sich mit der Gestaltung des Übergangs von der handwerklichen zur industriellen Produktion, der Entfaltung des „Ersten Maschinenzeitalters“ (Reyner Banham), einer fordistischen Industrialisierung und der damit verbundenen Konsumgesellschaft. Gropius’ Parole von „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ war gleichzeitig Krisendiagnose und Zukunftsversprechen. Die Werkstatt-Struktur des Bauhauses war eine Antwort auf die praktischen Herausforderungen, mit denen die Gestaltung angesichts der fortschreitenden Industrialisierung und Technisierung konfrontiert war. Heute erleben wir die Entfaltung des „Zweiten Maschinenzeitalters“ (Martin Pawley), den Abschluss des Übergangs vom Analogen zum Digitalen, vom Physischen zum Virtuellen, von Konsum zu Koproduktion. Welche Praxen lassen sich hinsichtlich dieser Entwicklung beobachten? Wie fordert gegenwärtig Technik Gestaltung heraus? Wie lässt sich Technik gestalten? Oder müssen wir nicht eher umgekehrt fragen: Wie gestaltet Technik? Auch stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Fortschritt. Während die klassische Avantgarde noch an Fortschritt, an eine bessere Zukunft, an Verbesserung durch Erneuerung glaubte, hat das Neue mittlerweile seine Unschuld verloren. Heutige „Utopien“ verfolgen mehr und mehr Ambitionen der Verlangsamung, Entschleunigung und der Bewahrung. Während der sich zunehmend beschleunigende kapitalistische Wandel oft genug als problematisch erfahren wird, zielt eine – tendenziell konservative – Kritik auf dessen Negation oder Verweigerung. Sind heute die Fronten noch so eindeutig, dass Fortschritt emanzipativ wirkt, und Bewahrung reaktionär – oder liegen die Dinge im Grunde ganz anders? 

Wissensräume

Als Reaktion auf die Anforderungen der Industrie entwickelte das Bauhaus Produktionsräume, um den Entwurfsprozess zu demokratisieren; es förderte Wissen und Fertigkeiten, die auf Erfahrung beruhten, und erleichterte den Austausch zwischen den Disziplinen. Es verbreitete die Botschaft vom „Neuen Menschen“ und agierte zwischen den Schwerpunkten Technik, Industrialisierung und Gesellschaft. Zugleich führten diese Räume zu einer Professionalisierung der Gestaltungslehre, die mit den Idealen der Moderne in Einklang stand. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Kultur und dem Aufstieg des Kognitiven Kapitalismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Design, Kreativität und experimentelle Herangehensweisen in neuen interdisziplinären Produktionsräumen wieder populär. Der derzeitige Erfolg von Media-Labs, Hackerspaces, FabLabs und Gründerzentren bereichert die Produktionslandschaft, fördert die Interdisziplinarität, destabilisiert die Idee der Autorschaft und stärkt die Demokratisierung von Wissen und Kompetenz. Als Reaktion auf die gegenwärtigen Produktionsweisen wird erneut versucht, zeitgemäße pädagogische Modelle und Räume der Wissensproduktion zu entwickeln – sei es an Universitäten, in der Privatwirtschaft oder in Kulturinstitutionen. Durch solche Räume wurde es notwendig, neue ökonomische Strategien zu erfinden, die auf immateriellen Werten beruhen und mit kooperativen Produktionsweisen in Einklang stehen. Kreative Kooperation und kulturelle Kritikalität sind oft an technische Entwicklungen gebunden und selbst zu einer kulturellen Legitimierungslogik geworden (Marina Vishmidt). Die Betrachtung aktueller Beispiele für Räume der Produktion und Wissensverbreitung geht der Frage nach, auf welche Weise diese Räume eine aktualisierte Version des „Neuen Menschen“ fördern. Welche räumlichen Qualitäten bieten diese neuen Wissensräume? Was sagen sie uns über die Zukunft der Wissensproduktion und des Austausches von Wissen, in digitaler und materieller Hinsicht? Welche Begegnungen werden in diesen Räumen angestrebt? Und welche Erfahrungen und Begegnungen werden stattdessen abgelehnt oder verhindert?